· Mein Anfang

Eigentlich wollte ich diese Häuser nicht kaufen.

Entsetzt war ich, als ich hörte, dass Christiane Rateitschak, geborene Kühn und Inhaberin in fünfter Generation der Firma Fritz Kühn, vertraulich sagte: „Ich will mich von den Häusern trennen.“

Die Kaufmannshäuser in der winterlichen Steinstraße bei Nacht
Die Kaufmannshäuser in einer der letzten Winternächte 2025. Zwischen der ersten und zweiten Straßenlaterne befinden sich die beiden Häuser.

Was war passiert?

Draußen war es noch kalt. Es waren die letzten Wintertage. Der Winter ist die umsatzärmste Jahreszeit. Es kommen wenige Menschen in das älteste Handelsgeschäft von Havelberg. Geheizt werden muss trotzdem. Bei jedem Gaspreis. Der ging nach oben. Alles ging nach oben. Kosten. Gebühren. Bürokratie. Wartezeiten. Nur im Laden nicht, hier stand niemand an. Wer trotz Wind und Wetter kam, wurde sofort bedient. Blieb manchmal noch auf einen Schnack und wärmte sich auf.

Ein großes altes Haus kann eine Freude, aber auch eine Belastung sein. Was tun, wenn Familie und Kinder beruflich anderweitig gut beschäftigt sind? Sie selbst trug die Verantwortung für ihre beiden Angestellten und sich. Für die pünktliche Entrichtung der Steuern, Gebühren, Versicherungen, Wartungen sowie Instandhaltungen. Bezahlt aus den Umsätzen des Ladens. Mieteinnahmen gab es schon lange nicht. Die Wohnungen oberhalb des Geschäfts standen seit Jahren, teils seit Jahrzehnten leer.

Investitionsstau? Ja.

Erheblich. Kurzfristig für einen schmalen Taler behebbar?

Ausgeschlossen.

Verkaufen, um die ganze Last (die hier mit Rücksicht verkürzt dargestellt wurde) loszuwerden? Ja, eine Option.

Aber was passiert, wenn man nicht mehr der eigene Herr im Haus ist? Was wird mit dem Laden? Wo soll die Mama Kühn (4. Generation) künftig wohnen?

„Du darfst nicht verkaufen“, sagte ich.

Was ist das für ein Rat, den ich gegeben habe? Du darfst nicht verkaufen. Was soll aus dem Laden werden? Dieses Geschäft, welches bei (fast) jeder Stadtführung Programmpunkt ist!

Die Sorgen und Nöte von Geschäftsfrauen und Geschäftsmännern, die einen Einzelhandel in einer deutschen Kleinstadt im Jahr 2025 führen, sind wesentlich größer als wir alle denken.

Ein rechtzeitiger Verkauf kann so befreiend sein. Selbstbestimmt. Einem eine jahrelang immer stärker auferlegte Last nehmen.

Andererseits: Wie soll es weitergehen? Was würde ein Käufer mit dem Geschäft machen? Mit den Wohnräumen der Mama Kühn? Mit der Historie?

Havelberg kann Dutzende Geschichten von Häusern erzählen, die in ähnlichen Situationen veräußert worden sind. Neben Erfolgsgeschichten sieht man im Straßenbild auch deutlich die Häuser, die zwar (mehrfach) verkauft wurden, aber dennoch schlechter und schlechter wurden.

Ist die Sorge berechtigt, dass ein neuer Eigentümer mit dem Haus anders umspringt, als man es selbst tun würde?

Nach mehreren Gesprächen fiel der Satz: „Dann musst du es eben kaufen.“

Vorschaubild zum Video Der Renner: Ostprodukte

Mit Ihrer Auswahl willigen Sie ein, dass eine Verbindung zu YouTube hergestellt und Daten an Google übermittelt werden.

Christiane Rateitschak, geborene Kühn, stellt einige der bis heute gefragten Ostprodukte der Firma Fritz Kühn vor. Ausschnitt aus einem Livevideo von Havelberg Geheimtipp.

Ich gehe gerne durch die Straßen von Havelberg. Blicke an den Häusern hoch und bewundere. Meistens bewundere.

An diesen Kaufmannshäusern bin ich schon so oft vorbeigegangen und in die beiden Läden hineingegangen. Und ja, ich liebe dieses Häuserensemble. Aber kaufen? Wovon? Wofür?

Menschen tun gerne etwas aus Freude. Menschen tun aber auch Dinge, um Schmerz zu vermeiden. Die zweite Motivation ist stärker als die erste. Diskutieren Sie darüber gerne mit mir, wenn wir ins persönliche Gespräch kommen. 😉 Sie bekommen von mir ein schönes Beispiel.

„Dann musst du es eben kaufen …“ war kein überlegter Satz gewesen und meine Antwort war es auch nicht. Es war aus einer Situation entstanden, die einen Ausweg brauchte. Die Worte waren im Raum, das Samenkorn war gesetzt.

Tage vergingen.

War es nicht mit großer Ehre verbunden?

War es nicht ein Traum, diese altehrwürdigen Gebäude zum Erwerb angeboten zu bekommen?

Diese Ehre bedeutete das Verschieben zahlreicher Sorgen auf eine andere Person. Nein, auf mich! Bedeutete, dass sich mein Leben erheblich ändern sollte.

Das Auftreiben des Kaufpreises ist das eine. Das andere sind die kaum abschätzbaren Folgekosten, der zeitliche Aufwand, die Organisation und die Nerven.

Zum Glück habe ich damals nicht gewusst und zu wenig geahnt, was alles auf mich zukommen würde. Aber ich habe auf anderen Feldern des Lebens schon Herausforderungen bestehen dürfen, die mich lehrten:

„Dir wird nur so viel Last auf die Schultern gelegt, wie du imstande bist zu tragen.“

Scheinbar sind meine Schultern breiter, als sie aussehen. Christiane und ich wurden uns handelseinig, was gleichzeitig bedeutete:

Die Zusage

Bestandsgarantie für die Firma Fritz Kühn in beiden Ladengeschäften und lebenslanges Wohnrecht für Frau Mama.
Die Kaufmannshäuser Steinstraße 4 und 5 bei sommerlichem Wetter
Die beiden Kaufmannshäuser bei sommerlichem Wetter. Im Vordergrund die Steinstraße 4, dahinter die Steinstraße 5.

Dieses ist eine sehr gute Nachricht für unsere Stadt und deren Einwohner und Gäste. Das älteste Handelsgeschäft bleibt weiterhin erhalten am Platze in der Steinstraße 4-5.

Ich danke Christiane von ganzem Herzen für ihren Elan und ihre Freundlichkeit, die sie jeden Tag seit der Übernahme des Geschäftes von ihrem Vater Fritz Kühn an den Tag legt. Ich danke ihr auch für die immerwährende Unterstützung und ihr Mitdenken bei der Renovierung der Räumlichkeiten über den Geschäften.

Was daraus entsteht, erfahren Sie in weiteren Beiträgen.

In meinem Herzen schwingt genau die gleiche Freude und Liebe für die historischen Häuser. Häuser, die durch die Übergabe des Staffelstabes nun in der Verantwortung meiner Familie liegen.

Vielen Dank, dass Sie Anteil an der Weiterentwicklung nehmen. Wenn Sie einen kleinen Beitrag leisten möchten, teilen Sie bitte diesen Artikel und kommen Sie bitte weiterhin bei der Firma Fritz Kühn einkaufen.

Diese Geschichte darf weitergeben werden.

Hat dir dieser Einblick gefallen? Dann erzähl ihn weiter.